Was bedeutet „Begegnung auf Augenhöhe“?

Laut Duden heißt „Begegnung auf Augenhöhe“, dass man mit jemandem gleichberechtigt oder gleichwertig verhandelt, diskutiert, verkehrt.

Im Allgemeinen ist das eine Form der Kommunikation – nicht von oben herab, wo einer sich über den anderen mit Worten, Gesten … stellt. Von exklusiven Kreisen abgesehen (z. B. Milliardärs-Club), entspricht das einer inneren Haltung des Respekts des anderen. Im therapeutischen wird oft ein entsprechender Selbstwert postuliert, den ich brauche, um anderen auf Augenhöhe begegnen zu können.

Gegenseitige Wertschätzung und Achtsamkeit ist das Fundament einer jeden Beziehung

schreibt die Persönlichkeitsexpertin Heike Holz auf ihrer Homepage (https://www.heikeholz.de/begegnung-auf-augenhohe/, eingesehen am 28.07.18).

Ich freue mich auch im theologischen Bereich darüber, wenn es unter diesen Voraussetzungen zu einem Dialog zwischen liberalen und bibeltreuen Theologen kommt. Meist – so ist mein persönlicher Eindruck – werden gerade bibeltreue oder freikirchliche Theologen nicht ernst genommen.

Daher begrüße ich es auch, wenn Johannes Hartl in seinem Aufsatz schreibt:

Ökumenische Bestrebungen gibt es zuhauf. Authentische Beziehung hat jedoch immer etwas mit einer Begegnung auf Augenhöhe zu tun. Solche Augenhöhe äußert sich in er Bereitschaft, die Perspektive des anderen einzunehmen und ihr eine reale Bedeutung beizumessen. [1]

Den zunächst sehr positiv klingenden Abschnitt schränkt allerdings J. Hartl einige Seiten weiter ein. Er sieht einen Vorteil der Freikirchen darin, dass Führungskompetenzen „optimiert“ wurden. Problematisch ist m. E. nicht nur die Engführung der Freikirchen darauf – theologische Positionen kommen überhaupt nicht in den Blick! -, sondern auch seine fast schon beleidigende Einschränkung:

Während das wissenschaftliche Niveau theologischer Ausbildung der künftigen Leitungsverantwortlichen in der katholischen Kirche das Niveau freikirchlicher Kollegen fast immer weit übersteigt … [2]

So meine lieben freikirchlichen Theologen: Mit eurem Studium ist es nicht so weit her. Nein, die katholischen Theologen sind euch weit überlegen in der Theologie. Was wohl die Dozenten und Professoren der Freien Theologischen Hochschule Gießen, der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel dazu sagen? Diese Hochschulen haben ihre Akkreditierung aufgrund ihrer Wissenschaftlichkeit erhalten.

So sieht für mich keine Begegnung auf Augenhöhe aus.

 

 

[1] Hartl, J. u. a.: „Mission Manifest. Die Thesen für das Comeback der Kirche.“ (Herder, Freiburg i. B. 2018), Seite 150.

[2] A. a. O, Seite 165.

Veröffentlicht unter Theo-logisch | Hinterlasse einen Kommentar