“Katholisch als Fremdsprache” von J. Hartl und L. Tanner Ein lesenswertes Buch über den Katholizismus

Am 31. Oktober 2017 vor 500 Jahren begann die Reformation. 500 Jahre Reformation, ein grosses Jubiläum! Grund zum Feiern!? Ja und Nein! Nein, denn können wir Christen eine Spaltung feiern, die objektiv eine “Sünde” ist? Jesus hat um Einheit und nicht um Spaltung gebetet: “Ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: “Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaub, dass du mich gesandt hast” (Joh 17,20-21).

[Seite 8, 1. Auflage, fehlerhafte Zeichensetzung auch im Original]

Die möglicherweise falsche Auslegung von Joh 17 will ich hier nicht betrachten (Christus macht die Einheit, nicht wir; wir sind ‚in Christus‘ eins, nicht untereinander; …).

Aber: Ist denn Spaltung Sünde? Ein klares: Kommt darauf an. Wenn wir uns um Nebensächlichkeiten streiten, ist es Sünde. Aus welchem Material darf die Kanzel sein? Darf ein Schlagzeug im Gottesdienst spielen? Aus welchem Liederbuch dürfen wir singen? Wie viele Lieder dürfen gesungen werden? Welches Muster soll das Klopapier haben? … Sich wegen solcher o. ä. Fragen zu trennen, das ist Sünde.

Es gibt aber auch eine Spaltung, die nicht Sünde ist, sondern sogar geboten. In 1. Kor 5:1-2 fordert Paulus die Trennung von einem Mann, der mit der Frau seines Vaters zusammenlebt. Ebenso in Apg 19:9. Hier trennt Paulus die Jünger von den Juden, die sich dem Evangelium gegenüber verhärtet hatten. Auch in 2. Kor 6:11-18 fordert Paulus eine Trennung.

Auch Jesus warnte bereits vor Verführern, falschen Lehrern: Mt 7:15-18; Mt 16:11-12. Es gibt noch etliche Stellen aus dem Neuen Testament dazu.

Die Gemeinde als Braut Christi hat auf ihre Reinheit zu achten. Dazu gehört, dass sie auf die Lehre achtet. Es gibt nur ein wahres Evangelium, es gibt nur einen Herrn Jesus Christus. Spaltung muss da erfolgen, wo darüber hinausgegangen wird.

Um zu erkennen, ob die Reformation Sünde ist, muss also gefragt werden, ob die Spaltung der Kirchen aus Nebensächlichkeiten heraus geschah oder aus grundlegenden Änderungen des Evangeliums. Die Reformatoren sahen ihre Beweggründe im letzteren. Die römisch-katholische Kirche hatte das biblische Evangelium verfälscht, Begriffe umdefiniert, weitere Heilsmittler neben (oder gar über?) Jesus gestellt.

Im oben genannten Buch versuchen die Autoren, die röm-kath. Lehre darzulegen. Dabei ziehen sie immer wieder Vergleiche mit den protestantischen Kirchen. Im Prinzip zeigen sie an vielen Stellen, dass die Vorwürfe der Reformatoren berechtigt waren und auch heute noch sind! So schreiben die Verfasser auf Seite 58: „Die Bischöfe und das Lehramt der Kirche sind auch weiterhin für die richtige Interpretation der Bibel zuständig.“ Man vergleiche diesen Satz mit der berühmten Aussage Luthers vor dem Reichstag in Worms.

„… denn können wir Christen eine Spaltung feiern, die objektiv eine “Sünde” ist?“ Nein, wir können keine Spaltung feiern, die objektiv eine Sünde ist. Aber die Reformation ist eben keine Sünde, sondern eine notwendige Rückbesinnung auf die biblischen Grundlagen. Daher können wir Reformation und die Spaltung von den falschen Lehren feiern.

Nebenbei: Woher nehmen sich die Verfasser das Recht, objektiv feststellen zu können, was Sünde ist? Geht das nicht nur mit der Bibel in der Hand? Ich meine ja, die Verfasser aber machen das im Vergleich mit der röm-kath. Lehre.

Wer den real existierenden Katholizismus kennenlernen will, ist mit diesem leicht zu lesenden Buch gut beraten. Schlüsse möge der Leser selber ziehen.

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