Ab wann ist der Mensch ein Mensch?

Die Frage ist von ethischer bzw. religiöser Seite her nicht eindeutig beantwortbar. Erfolgt die Definition des Menschseins aufgrund einer Fähigkeit bzw. Eigenschaft des Menschen, muss gefragt werden, was mit den Menschen ist, die diese Fähigkeit oder Eigenschaft nicht besitzen. Beipiel: Basiert die Definition auf das Sich-bewusstsein des Menschen, ist fraglich, ob in diesem Sinne geistig Behinderte oder Koma-Patienten noch Menschen sind.

Juristisch ist es etwas einfacher:

BGB § 823 Schadensersatzpflicht (1) Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.

Das wird momentan nach gängiger Rechtspraxis auch auf ungeborenes Leben bezogen.

BGB § 1912 Pflegschaft für eine Leibesfrucht (1) Eine Leibesfrucht erhält zur Wahrung ihrer künftigen Rechte, soweit diese einer Fürsorge bedürfen, einen Pfleger.

Mit künftige Rechte sind die gemeint, die von der Leibesfrucht erst zukünftig wahrgenommen oder ausgeübt werden können.

BGB § 1923 Erbfähigkeit (1) Erbe kann nur werden, wer zur Zeit des Erbfalls lebt.
(2) Wer zur Zeit des Erbfalls noch nicht lebte, aber bereits gezeugt war, gilt als vor dem Erbfall geboren.

Auch hier gilt nach gängiger Rechtspraxis die Nidation als Grenze zwischen ‚noch nicht lebte‘ und ‚lebte‘.

Unser Bundesverfassungsgericht sieht das so:

„Die Pflicht des Staates, jedes menschliche Leben zu schützen, läßt sich deshalb bereits unmittelbar aus Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG ableiten. Sie ergibt sich darüber hinaus auch aus der ausdrücklichen Vorschrift des Art. 1 Abs. 1 Satz 2 GG; denn das sich entwickelnde Leben nimmt auch an dem Schutz teil, den Art. 1 Abs. 1 GG der Menschenwürde gewährt. Wo menschliches Leben existiert, kommt ihm Menschenwürde zu; es ist nicht entscheidend, ob der Träger sich dieser Würde bewußt ist und sie selbst zu wahren weiß. Die von Anfang an im menschlichen Sein angelegten potentiellen Fähigkeiten genügen, um die Menschenwürde zu begründen.“ (http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv039001.html#Rn147)

Die Definition zur Begründung der Menschenwürde ist hier zu beachten. Menschenwürde liegt in der möglichen Fähigkeit im menschlichen Sein begründet. Damit ist die Definition aus meinem ersten Absatz also falsch. Woher kommen nun diese potentiellen Fähigkeiten? Wenn man nicht einen esoterischen Ansatz, sondern einen naturalistischen vertritt, muss die Grundlage im Erbmaterial liegen, also in der bloßen Existenz der Chromosomen. Dabei liegt es nicht an der Anzahl der Chromosomen, da z. B. Muntiacus reevesi und Hippotragus niger ebenfalls 46 Chromosome besitzen. Man kann also definitiv davon ausgehen, dass mit der Verschmelzung von Sperma- und Eizellen und deren Einnistung der Mensch beginnt.

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