Spiegel-Essay: „Die neue Übersichtlichkeit“ von Nils Minkmar

Der Spiegel 52/2016, Seite 31:
„Wenn man in diesen Tage das Grundgesetz zur Hand nimmt, kann man sich schon fragen, ob es heute in einem Referendum noch eine Mehrheit bekäme, mit seiner schlichten Sprache, die so viel Hoffnung verströmt. Könnte die Unantastbarkeit der Menschenwürde heute noch so garantiert werden, ohne Ausnahme für Terroristen? Könnte die Religionsfreiheit so religionsunabhängig versprochen werden, irgendeine Leitkultur oder christliches Erbe so deutlich fehlen?“

Die Frage ist m. E. berechtigt: Heute würde das Grundgesetz nicht mehr so beschlossen werden. Was mich allerdings sehr erstaunt und mich eine tiefe Unkenntnis des Grundgesetzes und seiner Entstehung beim Verfasser N. Minkmar vermuten lässt, ist die Verleugnung des christlichen Erbes. Unser Grundgesetz ist keine humanistische Erklärung. Ihre Werte – wie gerade die Menschenwürde – gründen auf ethische Grundanliegen und Forderungen des christlichen Glaubens. Ein Blick in die Protokolle zu den Sitzungen über das Grundgesetz bis zum Beschluss offenbart sehr deutlich den christlichen Bezug, besonders nach den dramatischen Erfahrungen eines atheistischen Regimes, das christliche Grundwerte völlig missachtete. Vielleicht sollte man in Zukunft auch die Präambel wieder öfters mitlesen:

Im Bewusstsein unserer Verantwortung vor Gott und den Menschen …

Da ich hier keinen Deutschunterricht halten will über die Verwendung eines artikellosen Nomens als absolute Bezeichnung, nur so viel: Die Verfasser des Grundgesetzes dachten dabei an den christlichen Gott der Bibel, keinesfalls an einen anderen Gott, an andere Götter oder generell an ein höheres Wesen oder eine höhere Macht. Kann das christliche Erbe noch deutlicher formuliert werden?

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