Warum J. Hartl immer noch katholisch ist …

Im Video „Warum bist du immer noch katholisch?“ (auf youtube verfügbar, abgerufen am 20.06.2018: https://www.youtube.com/watch?v=3U9HIcRN8gM) erklärt J. Hartl:

„Meine Grundlage ist die heilige Schrift, der Glaube an Jesus
und ich finde all das in der katholischen Kirche. Bin ich jetzt der Meinung, alle anderen katholisch machen zu müssen … vergiss es, überhaupt nicht meine Absicht.“

Das sind here Absichten – aber treffen sie auch zu? Können sie überhaupt zutreffen?

Meine Verweise beziehen sich auf den Katechismus der Katholischen Kirche (KKK), der auch online gelesen werden kann (www.vatican.va).

82 „So ergibt sich, daß die Kirche“, der die Weitergabe und Auslegung der Offenbarung anvertraut ist, „ihre Gewißheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Heiligen Schrift allein schöpft. Daher sind beide [gemeint sind Bibel und Überlieferung/Tradition; Anm. von mir] mit dem gleichen Gefühl der Dankbarkeit und der gleichen Ehrfurcht anzunehmen und zu verehren“

Hier erklärt die kath. Kirche, dass die Heilige Schrift und die Tradition auf einer Stufe stehen.

85 „Die Aufgabe aber, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes authentisch auszulegen, ist allein dem lebendigen Lehramt der Kirche“ – das heißt den Bischöfen in Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri, dem Bischof von Rom – „anvertraut, dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird“
100 Die Aufgabe, das Wort Gottes verbindlich auszulegen, wurde einzig dem Lehramt der Kirche, dem Papst und den in Gemeinschaft mit ihm stehenden Bischöfen anvertraut.

Nur das katholische Lehramt kann die Schrift authentisch auslegen. „authentisch“ heißt echt, zuverlässig. D. h. evangelische oder gar freikirchliche Theologen und alle Laien können es nicht.

Ich muss an dieser Stelle auch noch darauf hinweisen, dass die protestantische Bibel nur 66 Bücher kennt, während in der katholischen auch die alttestamentlichen Apokryphen enthalten und z. T. sogar mit dem biblischen Text vermischt sind. Das Festhalten der katholischen Kirche an der eigenen Bibel ist so stark, dass die EKD den Vertrag zur Zusammenarbeit an der Einheitsübersetzung (katholisch) im Jahr 2005 kündigen musste.

Wenn J. Hartl also im Video behauptet, dass die Konfession keinen Unterschied macht, ist das eine bewusste Täuschung der Zuhörer. Er ist katholischer Theologe und kennt seine Glaubensgrundlagen – alles andere wäre auch unglaubwürdig.

Das, was J. Hartl in der kath. Kirche an Bibel und dem Umgang mit ihr findet, ist keinesfalls das, was evangelische Christen glauben.

Veröffentlicht unter Theo-logisch | Hinterlasse einen Kommentar